KI wird in der Webentwicklung häufig auf eine einfache Frage reduziert: Wie viel schneller kann damit Code geschrieben werden?
Für mich ist eine andere Frage inzwischen interessanter:
Welche digitalen Lösungen werden durch KI-gestützte Entwicklung plötzlich wirtschaftlich sinnvoll, die für kleinere Unternehmen früher zu aufwendig gewesen wären?
Genau hier verändert sich aus meiner Sicht gerade mehr als nur die Geschwindigkeit einzelner Arbeitsschritte. Die Grenze zwischen Standardsoftware und individueller Entwicklung beginnt sich zu verschieben.
KI schreibt Code. Die eigentliche Aufgabe beginnt davor.
Eine Anwendung technisch irgendwie umzusetzen, war noch nie die einzige Herausforderung eines Softwareprojekts.
Vorher müssen andere Fragen beantwortet werden:
- Welches Problem soll tatsächlich gelöst werden?
- Wer arbeitet später mit der Lösung?
- Welche Informationen werden wirklich benötigt?
- Was muss mobil funktionieren?
- Welche bestehenden Systeme sollen eingebunden werden?
- Welche Funktionen sind wichtig und welche nur denkbar?
- Wie viel Komplexität ist für den konkreten Betrieb sinnvoll?
- Wie bleibt die Lösung wartbar und erweiterbar?
KI kann bei vielen Schritten unterstützen. Sie kann technische Varianten entwickeln, Code erzeugen, bestehende Strukturen analysieren, Fehler suchen, Tests vorbereiten oder Dokumentation erstellen.
Die entscheidende Aufgabe bleibt jedoch, aus vielen möglichen Lösungen eine sinnvolle Lösung zu machen.
Je leichter technische Varianten erzeugt werden können, desto wichtiger wird aus meiner Sicht die Frage, welche davon überhaupt umgesetzt werden sollten.
Der eigentliche Engpass war oft nicht die Idee, sondern der Aufwand
Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben häufig sehr konkrete digitale Probleme.
Eine Excel-Liste muss doppelt gepflegt werden. Mitarbeitende erfassen Informationen auf Papier, die später im Büro übertragen werden. Eine vorhandene Software deckt fast alles ab, nur einen wichtigen betrieblichen Ablauf nicht. Eine Website sammelt Anfragen, danach beginnt jedoch wieder manuelle Arbeit.
Solche Probleme waren auch früher technisch lösbar.
Die entscheidende Frage war oft eine andere:
Steht der Entwicklungsaufwand im Verhältnis zum Nutzen?
Eine kleine individuelle Anwendung kann schnell unverhältnismäßig teuer werden, wenn für jeden Schritt viel manuelle Entwicklungs-, Test- und Dokumentationsarbeit notwendig ist.
KI-gestützte Entwicklung verändert diese Rechnung nicht grundsätzlich, kann aber den Aufwand für bestimmte Arbeitspakete deutlich reduzieren. Dadurch werden kleinere, klar abgegrenzte Individualisierungen interessanter.
Nicht jede Idee wird dadurch automatisch sinnvoll. Aber mehr Ideen können überhaupt seriös geprüft und als Prototyp getestet werden.
Zwischen Standardsoftware und Individualsoftware entsteht mehr Spielraum
Viele Unternehmen standen bisher vor einer relativ klaren Wahl.
Standardsoftware ist schnell verfügbar, erprobt und vergleichsweise günstig. Dafür muss sich der eigene Prozess teilweise an die Software anpassen.
Individualsoftware kann exakt auf einen Prozess zugeschnitten werden. Dafür steigen Entwicklungsaufwand, Verantwortung und laufende Pflege.
In der Praxis muss diese Entscheidung aber nicht immer so schwarz-weiß sein.
Oft liegt der sinnvollste Ansatz dazwischen:
- bestehende Software weiterverwenden,
- einen störenden Medienbruch gezielt beseitigen,
- eine kleine Web-App für einen konkreten Ablauf ergänzen,
- Daten automatisiert zwischen zwei Systemen übergeben,
- einen manuellen Arbeitsschritt durch eine klar begrenzte Funktion ersetzen.
Gerade diese kleinen individuellen Bausteine werden durch moderne Entwicklungswerkzeuge interessanter.
Das Ziel ist dabei nicht, möglichst viel eigene Software zu bauen.
Das Ziel ist, genau dort individuell zu werden, wo Standardlösungen im betrieblichen Alltag dauerhaft Reibung erzeugen.
Beispiel: Eine fokussierte Web-App statt eines neuen Gesamtsystems
Ein gutes Beispiel dafür ist die mobile Projektzeiterfassung.
Ein Handwerksbetrieb benötigt dafür nicht zwangsläufig eine neue vollständige Unternehmenssoftware. Vielleicht funktioniert die bestehende Bürosoftware gut, während lediglich die Erfassung auf der Baustelle umständlich ist.
Dann kann eine fokussierte Web-App sinnvoller sein als ein kompletter Systemwechsel.
Bei Projektzeiten liegt der Kern deshalb zunächst in einem klar begrenzten Ablauf: Mitarbeitende erfassen projektbezogene Zeiten einfach mobil, während im Büro strukturierte Auswertungen zur Verfügung stehen.
Erweiterungen wie Tätigkeiten, Material, Zulagen oder Schnittstellen können anschließend dort ergänzt werden, wo sie im tatsächlichen Arbeitsablauf einen nachvollziehbaren Nutzen besitzen.
Mehr dazu steht auch im Beitrag Web-App im Handwerk: Wann lohnt sich eine individuelle Lösung?.
Dieser schrittweise Ansatz wird durch KI-gestützte Entwicklung interessanter, weil Varianten schneller umgesetzt, geprüft und wieder verworfen werden können.
Entscheidend bleibt aber auch hier: Nicht jede technisch mögliche Funktion gehört in die Anwendung.
Auch Websites können stärker Teil eines Geschäftsprozesses werden
Die gleiche Entwicklung betrifft Websites.
Eine Unternehmenswebsite wurde lange vor allem als digitaler Informations- und Kontaktpunkt verstanden:
Besucher kommen auf die Website, informieren sich und senden eine Anfrage.
Danach beginnt im Unternehmen häufig ein komplett separater Ablauf.
Doch zwischen Website und internen Prozessen liegen oft Möglichkeiten für kleine, sinnvolle Verbesserungen.
Zum Beispiel:
Website → strukturierte Anfrage → interne Bearbeitung → Angebot → Projekt
oder:
Buchung → Verfügbarkeitsprüfung → Bestätigung → weitere Verarbeitung
oder:
Formular → qualifizierte Daten → Übergabe an bestehende Software
Dafür muss nicht zwangsläufig ein großes Softwareprojekt entstehen. Häufig genügt eine gezielte Verbindung aus Website, kleiner individueller Logik und vorhandenen Systemen.
Genau deshalb sehe ich Websites heute zunehmend nicht als isoliertes Produkt, sondern als möglichen Einstiegspunkt in eine digitale Prozesskette.
Erfahrung wird durch KI nicht unwichtiger
Es wäre leicht, aus den neuen Möglichkeiten die falsche Schlussfolgerung zu ziehen:
Wenn KI Code erzeugen kann, wird technische Erfahrung weniger wichtig.
In meiner täglichen Arbeit beobachte ich eher das Gegenteil.
Je schneller Lösungen erzeugt werden können, desto häufiger muss entschieden werden:
- Ist dieser Ansatz technisch sauber?
- Ist er für den konkreten Anwendungsfall nicht unnötig kompliziert?
- Passt er zur bestehenden Systemlandschaft?
- Welche Abhängigkeiten entstehen?
- Wie sieht die Wartung in zwei Jahren aus?
- Welche Sicherheits- oder Datenschutzfragen ergeben sich?
- Muss diese Funktion wirklich individuell entwickelt werden?
- Gibt es bereits eine bessere Standardlösung?
KI kann Möglichkeiten produzieren.
Erfahrung hilft dabei, die richtigen Möglichkeiten auszuwählen.
Das betrifft nicht nur Programmierung. Auch das Verständnis für Nutzer, Geschäftsprozesse und den realistischen Alltag eines Unternehmens wird wichtiger.
Eine technisch elegante Lösung ist wenig wert, wenn sie später niemand gerne benutzt oder wenn sie einen einfachen Prozess unnötig verkompliziert.
Der Fokus verschiebt sich von Entwicklungszeit zu Problemlösung
Damit verändert sich auch die wirtschaftliche Betrachtung von Entwicklung.
Die klassische Frage lautet häufig:
Wie viele Stunden wird die Umsetzung dauern?
Diese Frage bleibt relevant. Gleichzeitig wird eine zweite Frage wichtiger:
Welches konkrete Problem können wir mit einem vertretbaren Budget vollständig lösen?
Das ist ein anderer Ausgangspunkt.
Statt möglichst viele Funktionen in ein Projekt zu packen, kann eine kleine Lösung einen einzelnen Prozess konsequent verbessern.
Ein klarer Funktionsumfang lässt sich testen. Der Nutzen kann im Alltag bewertet werden. Danach wird entschieden, ob eine Erweiterung sinnvoll ist.
Dieser Ansatz passt besonders gut zu kleineren Unternehmen, die kein großes Digitalisierungsprojekt benötigen, sondern einen konkreten Engpass beseitigen möchten.
KI verändert damit auch meine Rolle als Entwickler
Für mich bedeutet KI deshalb nicht einfach, dieselbe Arbeit schneller zu erledigen.
Ein Teil der operativen Entwicklungsarbeit kann effizienter werden. Dadurch entsteht mehr Raum für die Bereiche, die für ein gutes Ergebnis entscheidend sind:
- Anforderungen verstehen,
- bestehende Prozesse hinterfragen,
- technische Möglichkeiten bewerten,
- sinnvolle Grenzen definieren,
- Prototypen früh testen,
- Nutzerfeedback einordnen,
- Lösungen langfristig wartbar planen.
Die eigentliche Leistung verschiebt sich damit stärker von der reinen Umsetzung zur technischen und konzeptionellen Entscheidung.
Das passt auch zu meiner Positionierung bei mk-newmedia: Neben professionellen Websites geht es zunehmend um individuelle digitale Lösungen, die einen konkreten betrieblichen Ablauf verbessern oder bestehende Systeme sinnvoll ergänzen.
Ein konkretes Beispiel dafür ist ein individueller Workflow, mit dem Website-Inhalte mit KI erstellt, geprüft und veröffentlicht werden. Dabei ersetzt die KI nicht die Website-Struktur. Sie arbeitet innerhalb klar definierter Vorlagen und Inhaltstypen.
Nicht KI oder Erfahrung, sondern die Kombination
KI kann Geschwindigkeit, Analysekapazität und technische Möglichkeiten erhöhen.
Sie kennt aber nicht automatisch den Betrieb, die Menschen und die Vorgeschichte hinter einer Anforderung.
Erfahrung allein wiederum macht Entwicklungsarbeit nicht beliebig skalierbar.
Spannend wird deshalb die Kombination.
Technologie erweitert den möglichen Lösungsraum. Erfahrung entscheidet, welcher Teil davon für den konkreten Kunden sinnvoll ist.
Für kleinere Unternehmen könnte genau darin eine große Chance liegen: nicht jede Software von Grund auf neu entwickeln und sich gleichzeitig nicht bei jedem Prozess vollständig an Standardsoftware anpassen zu müssen.
Dazwischen entsteht mehr Raum für gezielte, überschaubare und individuell entwickelte digitale Bausteine.
Und genau diesen Bereich finde ich aktuell besonders interessant.
Wer im eigenen Betrieb einen wiederkehrenden Medienbruch, eine unnötige Doppelarbeit oder einen digitalen Ablauf hat, der mit vorhandener Software nur schwer abbildbar ist, kann ihn gerne in einer Projektanfrage beschreiben. Nicht jede individuelle Entwicklung ist sinnvoll. Aber viele Probleme lassen sich heute zumindest neu bewerten.


